15.10.2008 - The Cool Docks am alten Hafen  
     
  Ein zweites Xin Tian Di soll es werden: The Cool Docks ist ein von chinesischer Hand saniertes Viertel am alten Shanghaier Hafen, das 2007 der Oeffentlichkeit zur Nutzung uebergeben wurde. Wie sooft bei von Chinesen geplanten Infrastrukturen, wurde auch hier vergessen, Menschen, Umgebung und Erreichbarkeit mit in die Planung einzubeziehen. Im Ergebnis hinterlaesst das Viertel einen leblosen Eindruck: Bewohner gibt es nur in den Slums um das Sanierungsviertel herum, mangels Anbindung oeffentlicher Verkehrsmittel bleiben Besucher bisher aus, den wenigen Interessierten eroeffnet sich um The Cool Docks herum ein typisch chinesisches Bild - Armut, Dreck, Warten auf den Abriss.

Wir haben bewusst auf Bilder von dem steril wirkenden Sanierungsgebiet verzichtet, denn der schlechte Eindruck, den die Umgebung bei uns hinterliess, wiegt vielfach schwerer.
 
 
Willkommen im Stadtzentrum
Verwahrloste Haueser um The Cool Docks.
Obstlagerhalle
Der Gestank von verrottetem Obst um die Obstlagerhalle herum ist Brechreiz erregend.
Siff und Gestank wohin das Auge reicht.
Wie so haeufig, versuchen Chinesen, dem auslaendischen Besucher ein Trugbild vom neuen China unterzujubeln. Vor allem in Vorbereitung auf die Expo 2010 nimmt die Zahl der Schein-Renovierungen/Sanierungen in Shanghai drastisch zu. Alles soll neu, sauber und nach Fortschritt ausschauen. Dabei werden meist nur ein paar Fassaden mit Farbe beschmiert. Dem fluechtigen Besucherblick erschliesst sich die Wahrheit leider nicht. Wenige Schritte von der Truman-Show entfernt, schielt einen dann aber doch der chinesische Alltag an.
Zai Jian (Auf Wiedersehen) vs Zai Jian (Rekonstruieren)
Das auf die Tuer gemalte chinesische Zeichen heisst Chai und bedeutet Abriss. Zai Jian hat im Chinesischen zwei Schreibweisen und somit Bedeutungen: einmal heisst es Rekonstruktion, zum anderen Auf Wiedersehen. Im Regelfall entscheiden sich die zustaendigen chinesischen Regierungsstellen fuer die permanente Verabschiedung von Altbausubstanz. Altbau wird mit der Era vor dem grossen Aufstieg (vor 1980) verbunden und als schlecht empfunden. Die Bewohner werden in eine von tausenden Betonsiedlungen weit vor der Stadt umgesiedelt, denn die vom Entwickler des neu zu bebauenden Gebietes angebotene Entschaedigung reicht den Bewohnern im Regelfall nicht fuer den Verbleib im Sanierungsgebiet.
Durchblick nach Pudong (oestlich des Huang Pu)
In oder Out?
Rechts: Werbetafel eines fuer Touristen bestimmten Cafes im sanierten The Cool Docks. Links (drei Meter ausserhalb): die Bewohner sind vom Aufstieg Chinas ausgeschlossen.
Vergammelnde Altbausubstanz und Truman-Show
Seid aufmerksam, schuetzt euch vor Feuer und Diebstahl.
Zusammen erschaffen wir eine sichere, friedliche Gemeinschaft!
Vor allem in den Slums von Shanghai sieht man diese an Onkel Mao erinnernde Propaganda (rotes Banner) noch immer. Traurige Realitaet: die hiermit angesprochenen Bewohner haben im Regelfall keine Chance, aktiv am Aufbau einer harmonischen Gemeinschaft teilzunehmen oder an der "Verschoenerung" des Gebietes teilzuhaben.