11.02.2008 - Willkommen im Jahr der Ratte  
     
  Nicht nur bei der Gesellschaftsordnung (Sozialismus mit chinesischen Merkmalen) sondern auch beim Kalender greift China tief in die Trickkiste, um den westlichen Betrachter zu verwirren. Auch wenn im Alltag kein Chinese mehr nach dem Mondkalender tickt, werden einige chinesische Feiertage noch nach dem Mondkalender bestimmt. Der wichtigste aller Feiertage ist natuerlich der Beginn des chinesischen Neujahrs - dieses Jahr ist das der 7. Februar 2008. Und da man sich an den (lediglich 10) gesetzlichen Urlaubstagen im Jahr nicht wirklich erholen kann, genehmigt die chinesische Regierung eine ganze Woche frei. Das klingt sehr nobel, ist es aber nicht, denn zwei der 7 Tage fallen auf ein Wochenende, und zwei weitere muessen am Wochenende davor eingearbeitet werden. An diesem Einarbeitungswochenende steigt die Ineffizienz in chinesischen Bueros von 50 auf 90%, was uns im Regelfall dazu veranlasst, zwei zusaetzliche Tage frei zu nehmen.

Zu Beginn eines neuen chinesischen Jahres besonders wichtig sind: das Feuerwerk zum Vertreiben der boesen Geister und der Name des neuen Jahres.
 
 
Das Jahr der Ratte (oder auch Maus, je nachdem, welcher Quelle man Glauben schenkt)
Bildquelle: Ratatouille. Chinesische Uhren gehen - wie bereits angedeutet - nach dem Mond; also muss auch an den Sternzeichen etwas anders sein im Vergleich zum westlichen System. Das Studium verschiedener Quellen ergab sehr unterschiedliche Erklaerungsansaetze. Wir glauben im Moment an Wikipedia, und die erklaeren die Herkunft der 12 chinesischen Tierzeichen mit folgender Legende: zwoelf Tiere wetteiferten einst um ihren Platz in einem zwoelfjaehrigen Zaehlzyklus. Alle Tiere waren am Ufer eines Flusses versammelt und wurden von den Goettern aufgefordert, den Fluss zu ueberqueren. Die Reihenfolge der Ueberquerung sollte auch die Reihenfolge im zwoelfjaehrigen Zyklus sein. Die Katze gruebelte nach, wie sie den Fluss trotz ihrer Angst vor Wasser ueberqueren koennte; dem Ochsen war nicht klar, wie er erreichen sollte, was er aufgrund seiner eingeschraenkten Sichtweite nicht einmal sah. Die berechnende Ratte schlug vor, sich mit der Katze auf den Ruecken des Ochsen zu setzen und den Ochsen beim Ueberqueren des Flusses zu steuern. Der Ochse war einverstanden und rannte los. Die Ratte heckte hinter dem Ruecken der gutglaeubigen Katze einen Plan aus, den sie auch umsetzte, sobald der Ochse im Wasser war: als die Katze es sich auf dem Ruecken des Ochsen gemuetlich gemacht hatte, kam die Ratte von hinten angerannt und schubste sie ins Wasser (dieser Teil erinnert uns stark an das Verhalten chinesischer Geschaeftspartner). Als der Ochse in die Naehe des Ufers kam, sprang die Ratte von seinem Ruecken an Land und nahm somit den ersten Platz im zwoelfjaehrigen Zyklus ein, der in diesem Jahr - dem Jahr der Ratte - von neuem beginnt. Und die Moral von der Geschicht: trau keinem Chinesen nicht.
Neujahrsfeuerwerk, oder: wie vernichtet man in einer Nacht 15 Millionen Euro
Dreimal pro Neujahrsfest gibt es Feuerwerk, am Neujahrsabend (6. Februar), 5 Tage nach Neujahr und noch einmal 15 Tage nach dem Neujahrsfest. Das Feuerwerk am Neujahrsabend war in diesem Jahr nicht so stark und ausdauernd wie in vergangenen Jahren. Dafuer hatte das zweite Feuerwerk - 5 Tage nachher - die gleiche Staerke wie das erste. Und das letzte Feuerwerk steht noch aus. Unsere Quellen (Regierungsveroeffentlichung und ChinaDaily) eroeffnen durch einfache Multiplikation, wieviel Geld fuer das Neujahrsfeuerwerk in Shanghai ausgegeben wird: 750 Tausend Boxen (2/3 duerften illegal erworben sein) mit je 100 Knallern fuer 2 RMB pro Knaller ergeben 150 Millionen RMB oder 15 Millionen Euro. Ein grosses Sortiment an Feuerwerkskoerpern wird in der China LiuYang Fireworks Factory hergestellt.